Kaum ein anderes Betätigungsfeld durfte so kontrovers diskutiert werden wie das der Gewerkschaften. Erfahrungsgemäß von ihnen in Tarifverhandlungen verraten sind sie dennoch die maßgebende Instanz. Also muss die Arbeit in den Gewerkschaften auf eine starkere Interessenvertretung hinarbeiten. Wie das geschehen kann führen wir hier auf.

 

Pro

Contra

- Bildungsangebote der DGB-Gewerkschaften nutzbar - Repressionen durch Arbeitgeber wahrscheinlich
- geht einher mit gewerkschaftlicher Arbeit

 

DGB

Würden die Gewerkschaften des DGB nicht in schöner Regelmäßigkeit mit den Arbeitgeberveränden der Leiharbeit Tarifverträge abschließen, durch die eine Gleichbehandlung unterlaufen wird, bekämen Leiharbeiter dasselbe Gehalt wie die Stammbeschäftigten. Mindestens. Mit diesen Abschlüssen schützt der DGB hauptsächlich seine eigenen Mitglieder, „vergisst“ dabei aber, dass er durch diese Ungleichbehandlung der Spaltung und somit auch der Vereinzelung aller Beschäftigten Vorschub leistet.

In der Basis der DGB-Gewerkschaften herrscht darüber großer Unmut. Leider folgen daraus keine Konsequenzen. Stattdessen wird in Sonntagspredigten immer wieder das Problem erkannt und angeprangert, ein Richtungswechsel ist gleichwohl nicht zu erkennen.

Diese Untätigkeit ist nur aus dem Selbstverständnis und der Geschichte heraus zu verstehen: Als anerkannter Sozialpartner geht der DGB seit jeher ein unseliges Bündnis mit Politik und Wirtschaft ein. Wenn selbst ein Peter Hartz Mitglied der IG-Metall sein darf, dann stimmt etwas Grundsätzliches nicht. Diese Unstimmigkeit spiegelt sich auch in der hierarchisch gestalteten Struktur des DGB wider. Postenschacherei, Pfründe, Filz und Karriere spielen seit jeher eine größere Rolle als die Verfolgung einer langfristigen Strategie, die sich nicht nur auf die Einhaltung von Gesetzen oder auf eine reine Abwehr beschränkt.

Innerhalb des DGB tummeln sich gleichwohl sehr viele Kollegen, die sich selbstverständlich mit allen Ausgebeuteten solidarisch zeigen und mit denen es sich lohnt, Kontakte zu knüpfen und zusammenzuarbeiten.

 

Basisgewerkschaften

Der größte Vorteil von Basisgewerkschaften ist sicherlich, dass man alles basisdemokratisch mitgestalten und somit das Problem der Leiharbeit schnell und unkompliziert auf die Tagesordnung bringen kann. Der größte Nachteil (erst einmal) ist allerdings auch, dass man es selber machen muss. Basisgewerkschaften leben von der aktiven Teilnahme und einem gewissen politischen Bewusstsein, das über die sozialpartnerschaftliche Agenda des DGB weit hinaus geht. Eigentlich ist dieses Konzept sogar die Urform eines gewerkschaftlichen Zusammenschlusses, wurde und wird aber immer wieder missverständlich interpretiert.

Auf jeden Fall lohnt sich ein Blick auf die Strukturen von Basisgewerkschaften wie der FAU oder den Wobblies, die trotz ihrer relativ geringen Mitgliederzahl im prekären Bereich durchaus von Bedeutung sind.

So wie wir uns, die Interessengemeinschaft der LeiharbeitInnen, nicht als Dienstleistung verstehen, gehen auch Basisgewerkschaften davon aus, dass man selber aktiv werden muss, damit sich etwas ändert… mit allem Licht und Schatten.

 

Weitere Gewerkschaften:

Es gibt noch einige andere Gewerkschaften, wie zum Beispiel die Christlichen. Die hatten seinerzeit in korruptester Manier Tarifverträge mit den Arbeitgeberverbänden der Leiharbeit abgeschlossen, die nun wirklich unter aller Sau waren. Um diesen Zustand zu verbessern, hatte daraufhin der DGB Tarifverträge nachgeschoben, um die Christlichen Gewerkschaften kalt zu stellen. Das war zwar geglückt, doch besteht seitdem eigentlich kein guter Grund mehr, weiterhin Tarifverträge abzuschließen. In puncto Leiharbeit sind seitdem die Christlichen Gewerkschaften für den DGB ein rotes Tuch und es wird teilweise scharf geschossen. Gleichwohl gibt es bisweilen die absurde Situation, dass sich Leiharbeiter auch bei den Christlichen Gewerkschaften engagieren, weil sie der hohlen Phrasen der DGB-Oberen überdüssig sind. Es hängt halt immer von den konkreten Bedingungen vor Ort ab, wo man sich als LeiharbeiterIn einbringen kann. Auf jeden Fall besteht auch da die Chance, Gleichgesinnte und solidarische Kollegen kennenzulernen.

 

Eine eigene Gewerkschaft für Leiharbeiter?

Immer wieder kommt die Forderung auf, dass man eine eigene Gewerkschaft für LeiharbeiterInnen gründen müsse, eine Gewerkschaft, die endlich mal unsere ureigensten Interessen vertritt. Das klingt erstmal verständlich, denn mit einer Million Leiharbeitern besteht schon eine gewisse Macht, die sich auch gewerkschaftlich zum Beispiel mit Streik ausleben ließe.

Daher gab es immer wieder Versuche, eine Gewerkschaft der LeiharbeiterInnen zu gründen. Diese Gründungen haben sich bisher alle als Münchhausen-Gewerkschaften erwiesen. Dahinter standen stets einzelne Personen, die allein durch eine gewisse Präsenz im Internet vermittelten, es gäbe da eine Anlaufstelle, um sich endlich einmal mit anderen LeiharbeiterInnen zu organisieren. Das hat sich dann früher oder später immer als Schall und Rauch erwiesen.

Wir, die IGL, halten die Forderung nach einer eigen Gewerkschaft für allzu verständlich und wir haben lange darüber nachgedacht, haben aber folgende Probleme:

  • eine Gewerkschaft zu gründen, die im Zweifelsfall auch gesetzeskonform zum Streik aufrufen kann, ist gar nicht mal so leicht und wird immer schwieriger.
  • eine Gewerkschaft für LeiharbeiterInnen würde den Status der Leiharbeit an sich in Stein meißeln und somit auch Ansprechpartner für unschöne Arbeitgebervertreter werden.
  • eine Gewerkschaft für LeiharbeiterInnen würde all die Probleme, die die Leiharbeit mit sich bringt wie zum Beispiel Arbeitsamt, Jobcenter usw. außen vor lassen.
  • Gerade die dringend erforderliche solidarische Zusammenarbeit aller Lohnabhängigen, egal ob nun ein Scheißjob mit oder ohne Leiharbeit oder Werkvertrag, mit Druck vom Amt oder auch nicht, „arbeitssuchend“ oder schon in einem „Besser als arbeitslos“-Job, lässt uns zweifeln, ob eine reine Branchengewerkschaft das Gelbe vom Ei ist.

 

 

Stand 11.04.2018 – Aktualisierungen und Überarbeitungen vorenthalten

 

Terminkalender

Kundgebung gegen Leiharbeit
Bremen, Gröpelinger Heerstr./Ecke Ritterhuderstr.
Fr, 16.November - ab 14.00 Uhr

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Kontakt:

IG Leiharbeit
c/o A.Schalber
Friedhofstr. 4
D-65375 Oestrich-Winkel

 

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Über uns

Die Interessengemeinschaft der Leiharbeiter ist ein Zusammenschluß von aktiven und ehemaligen Leiharbeitern, Werksvertragsbeschäftigten, Gewerkschaftsaktivisten und anderen politisch engagierter Mitmenschen. Gemeinsam wollen wir dazu beitragen, dass Leiharbeit auf den Müllhaufen der Geschichte landet. Wir sind unabhängig von Parteien, Gewerkschaften oder irgendwelchen Arbeitgeberverbänden.
Unserer Meinung nach besteht das größte Problem in der Vereinzelung. Dieses Gefühl, auf sich alleine gestellt zu sein, wollen wir überwinden, denn erst dann können wir erfolgreich sein.
Wir sind keine Dienstleister und es hängt von uns allen ab, wie wir uns einbringen. Eine Gegenwehr außerhalb des Internets ist dringend nötig!
 

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